Donnerstag, 2. Februar 2006

Der glückliche PC- und Programm-Hersteller hatte nicht mit der Findigkeit der User gerechnet.

Zunächst war die Computer-Wirtschaft doch noch recht großzügig und freute sich darüber, daß sie den User mit allerlei kostenlosen Bonbons zum Werbeträger für ihre Zwecke benutzen konnte.
Wären sie damals schon soo rabiat gegen alle Nassauer, Trittbrettfahrer und Raubkopierer (hab ich da etwa ein Schimpfwort für den Begriff 'User' vergessen?) vorgegangen wie heutzutage, ich glaube, wir säßen immer noch vor unserem alten Commodore oder Atari vor dem Fernseher und spielten Ping-Pong oder malten bunte Bilderchen mit 'Peek' und 'Poke' auf dessen Bildschirm. Die Dinger hatten ja damals fast alle noch einen Antennen-Anschluß für den Fernseher.

Die Wirtschaft hatte schon sehr früh die Hühneraugen zugemacht, wenn sie einen Schüler mit MS-Word oder mit anderen, für diesen unerschwinglichen, Programmen erwischte.
Als Toleranzgrenze galt die Schwelle zwischen privater und gewerblicher Nutzung.
Oder anders ausgedrückt:
Wer mit einem Programm Geld verdient, der muß dieses auch gekauft haben.
- Ebay gab es damals noch nicht . . .

Damals konnten sich doch nur Firmen diese teuren Programme leisten - und deshalb blieb die Computerei auch zunächst auf die Firmen beschränkt.
Erst als die jungen User anfingen, sich diese Goodies wie MS-Word zu kopieren, erst da wurde der PC im heimischen Bereich das liebste Kind der männlichen Nation!
So manch ein Sprößling zeigte damals seinem Vater, was man so mit diesen 'Dingern' machen konnte (damals hießen die ja noch langatmig "IBM-kompatibler Personal-Computer").
Was war die Folge? Papa ging zu seinem Chef und meinte, daß er zur Arbeitserleichterung auch so ein Schreibprogramm wie MS-Word bräuchte, damit seine Sekretärin mehr Zeit für andere Dinge habe.
Das Geschäft im Firmenbereich wurde noch mehr angekurbelt, als diese ehemals kleinen User flügge wurden und in das Berufsleben einstiegen. Hatte deren Firma dann nicht das von zu Hause gewohnte Programm, dann mußte diese das eben kaufen.
Die Zurückhaltung der Wirtschaft gegenüber dem Sohnemann hatte sich ausgezahlt, die jungen Knaben wurden zum besten Werbeträger; sowohl für die Hardware als auch für die Software.

Damals ging allerdings auch so eine Geschichte rum, von der ich nicht so genau weiß, ob diese wahr ist:
Da sollen doch in unserem ehrwürdigen Rathaus zu Hamburg 11 PC's mit MS-Word bestückt gewesen sein, obwohl nur 2 Lizenzen dafür vorlagen. *GGG*
Die Story machte natürlich bei den EDV-Service-Firmen in Hamburg wie ein Lauffeuer die Runde, obwohl es damals noch keine eMails gab . . .

Jaa, und dann wurden die User in ihrer Naivität ein wenig zu übermütig und der Umsatz in Teilen der Computerbranche und der Medien-Industrie brach in einer beängstigen Form ein.
MP3 war so ein Ding; in Verbindung mit einem PC und einem 'MP3-Player' machten sie der CD ihren Platz streitig. Die CD-Brenner taten dann ein Übriges und die Musikindustrie schrie auf.

Einstmals ein umworbener Freund, war nun plötzlich der jungendliche PC-User zum Feind der Industrie geworden!
Und dann schaute man genauer hin, wo man ihn treffen könne.
Da wurden die privaten Homepages mit einigen geklauten Bildern unter Beschuß genommen und der private eBayer gerät heute schon unter Beschuß, wenn er ahnungslos eine in einem Kaufhaus gekaufte Billig-CD von Placido Domingo und José Carreras zur Versteigerung anbietet!

Die Schritte, die zu der zurzeit in Wildwestmanier ausgetragenen Schlacht führten, waren folgende:

  • 1. Die jungen Anwender mausten (oder klauten, wenn es beliebt dieses so zu nennen) die Programme, die ihnen zum Betrieb ihres PC's fehlten.
    Der Gesetzgeber regelte was?
  • 2. Die Hersteller dieser Programme sahen diesem Treiben gelassen zu und griffen erst ein, wenn diese Programme gewerbsmäßig eingesetzt wurden.
    Der Gesetzgeber regelte was?
  • 3. MP3 und die entsprechnenden MP3-Abspielgeräte tauchten auf und die inzwischen erschwinglich gewordenen CD-Brenner kamen auf den Markt. Jetzt kopierte das Jungvolk, was das Zeugs hielt; teils machten sie das nur für den eigenen Bedarf und Teils zum Verkauf in der Schule und im Freundeskreis.
    Der Gesetzgeber regelte was?
  • 4. Die Hersteller und die vielen anderen der vorher am Verkauf der jetzt raubkopierten Produkte beteiligten (Künstler, Schriftsteller, Sänger und Sängerinnen etc.) namen dieses nicht gerade mit Freude zur Kenntnis und schlugen zurück.
    Der Gesetzgeber regelte was?

Nun, was bei dem Thema mit den Dialern (190-iger Nummer) runde 10 Jahre brauchte, bis sich der Gesetzgeber so ein wenig rührte, das läuft hier mit dem CopyRigth auch so ähnlich ab.
Inzwischen geht die Wildwest-Show vor den Gerichten, in der Presse und in den Blogs fleißig weiter.
Also, ich bin für die Freigabe von Pistolen und Gewehren in Deutschland, wenn wir hier schon texanische Zustände dulden!

Netzgärtner Kurt